Hinnerk Bodendiek
Hinnerk Bodendiek

Italia
Format 20 x 30 cm
Öl auf Hartfaser
475,- Euro
Hinnerk Bodendiek

Sonntagnachmittag
Format 20 x 30 cm
Öl auf Hartfaser
475,- Euro
Hinnerk Bodendiek

Schlepper
Format 20 x 30 cm
Öl auf Hartfaser
475,- Euro
Segler und Maler

Porträt: Hinnerk Bodendieck

Besucher des Altonaer Museums kennen die packende Szene: Ein wuchtiger Heringslogger, quasi gesehen aus dem Blickwinkel des Fisches. Das Ölgemälde ist zu sehen im Bereich Fischerei, eine halbe Treppe hinunter, bei den Modellen, links an der Wand. Ein großer Erfolg für den Maler Hinnerk Bodendieck, der, noch jung an Jahren und noch jünger wirkend, mit einer seiner Arbeiten in einem renommierten Museum zu sehen ist.

Viele SVAOeer erinnern sich noch an den jungen Kutterführer unserer Teufelsbrück, der oft durch waghalsige Herbstfahrten überrascht. Oder er überreicht nach einem Kanalschlepp dem Schipper der schleppenden Yacht als Dank ein während der Fahrt entstandenes Aquarell.

Angefangen hat Hinnerks Seglerkarriere anlässlich der Einweihung des Museumshafens Oevelgönne, als der damals 12-jährige zusammen mit Vater Hans Peter das Einlaufen der Flotte der Jugendkutter von Land aus beobachtet. Für Hinnerk steht fest: Kutterführer will er werden. Die Examinierung des Kutternachwuchses durch Michael Hampe in der SVAOe-Geschäftsstelle ist dann allerdings für ihn eher enttäuschend, zu viele Bewerber, alles läuft und ruft durcheinander, den kleinen Hinnerk will so recht niemand haben. Aber man hat Hinnerks Zielstrebigkeit unterschätzt. Den ersten harten Winter übersteht er neben wenigen anderen.

Sein Kutterführer Matthias Glimm , unter Seglern besser bekannt als Zewa, erkennt bald die Lernbereitschaft und die bereits ausgeprägten handwerklichen Fähigkeiten seines Neulings. Hinnerk hatte unter Anleitung und Mitwirkung seines Vaters schon als Junge Modelle gebaut und kann hier seine Kenntnisse über Materialien und Werkzeuge zum Wohle der SVAOe-Kutterflotte vorzüglich einsetzen.

Zu Hinnerks Segelkarriere gehört die spektakuläre Kenterung seines Kutters im Kanal bei Rendsburg im Schlepp des alten Feuerschiffes ELBE 3. Hinnerk dazu: 50 Meter wurde der Kutter über Kopf mitgerissen, alles schwamm im Kanal, Mannschaft und Ausrüstung, Pinsel und Farben, Schlafsäcke und Kochtöpfe. Elbe 3 hatte mehrere Kutter gleichzeitig im Schlepp, die sich gegenseitig behinderten...

Nach der Kutterzeit kommt der erste eigene Bootsbau: Eine schnelle V-Jolle (V/14), für 4-5 Personen geeignet, entsteht in dreijähriger Zusammenarbeit mit Gesine Westphalen und vielen SVAOe-Jugendlichen als Helfern. Häusliche Probleme aber gibt es zunächst mit den Eltern, die für Hinnerk andere Prioritäten gesetzt hatten. Dieser aber zeigt sich störrisch. Mit seinem schmalen &Mac179;Gehalt„ als Zivi werden Holz, Furnier, Epoxi, Beschläge, Tauwerk besorgt und bis spät in die Nacht hinein gearbeitet. In dieser Bauzeit, erinnert Hinnerk sich heute, gab es keine Freizeit, Parties, Kino oder andere Sozial-Kontakte. Doch die finanzielle Lage bessert sich durch Mitarbeit bei Peter Neumann, YPS und Yacht, sodass Studium und Bootsbau parallel ablaufen können.

Richtig spannend werden dann die Reisen: Hinnerk und Crew segeln den handwerklich erstklassigen Eigenbau über Bornholm nach Stockholm und in einer zweiten Reise über Kattegatt/Skagerrak nach Südnorwegen bis Lista und von dort über die Nordsee zurück! Aber Jolle bleibt Jolle. Familienvater Hinnerk heute: Das würde ich so wohl nie wieder machen.

Ein zweiter Neubau entsteht. Diesmal mit Zustimmung der Eltern und - man staune - die Werft ist das Wohnzimmer der Eltern Ute und Hans Peter.

Es entsteht eine den Bootstypen der Kaiserlichen Marine nachgebaute Gig namens Kronprinzessin Ute, die nach einer Bauzeit von drei Wintern (wo haben die Bodendiecks wohl Weihnachten gefeiert?) unter großer Anteilnahme von Freunden, Verwandten, Nachbarn aus den 2. Stock abgeseilt wird.

Gereift ist inzwischen aber auch der Maler und Illustrator Hinnerk Bodendieck. Nach aber auch schon während seines Studiums an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg erhält er Aufträge aus maritimen Kreisen, tritt mit ersten Gruppen- und Einzelausstellungen an die Öffentlichkeit, lässt sich inzwischen in Madrid von spanischer Kunst und Kultur inspirieren und - wir greifen etwas vor - erhält im Jahre 1999 einen Lehrauftrag an seiner ehemaligen Fachhochschule in Hamburg.

Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung illustriert Hinnerk Bodendieck Textbeiträge, und Zeichnung und Illustration sind und bleiben ein geliebter Teil seiner künstlerischen Arbeit. Pinsel und Palette begleiten den Maler auch auf die hohe See. Auf der &Mac179;Undine„, einem von Joachim Kaiser geführten Schoner, wird Hinnerk im Rahmen eines sozialpädagogischen Projekts mit gefährdeten Jugendlichen als Matrose mit Seefahrtsbuch und Gesundheitspass als malender Mitarbeiter angemustert.

Unter nicht ganz normalen Rahmenbedingungen entstehen auf dieser Biscaya-Reise von Schweden nach Portugal Ölskizzen von starker Intensität. Arbeiten an und auf der &Mac179;Undine„, Portraits von Besatzungsmitgliedern, Begegnungen auf dem Wasser mit Schiffen und Basstölpeln sowie kleine Zeichnungen mit Begleittexten sind die Ausbeute, die dann im Folgejahr in einer Ausstellung in einer eigens dafür hergerichteten Halle mit einer fast 100 Meter langen Bilderwand am Hamburger Baakenhafen gezeigt wird. (Unter den zahlreichen Besuchern sind auch drei see- bzw. elbseitig angereiste SVAOe-Yachten (Schwalbe, Magmalena und Ylva) zu finden, die direkt vor der Halle längsseits der Undine festmachen.

Auf einer weiteren Schiffsreise, Regatta Skagen rund auf der Elan (Harald Baum) entstehen dann weitere Zeichnungen, Ölskizzen und später auch großformatige Arbeiten. Auf einem dieser Seestücke sieht man die Elan in dunkler Nacht und grober See. Vermutlich ist es auch nass und saukalt. Verzagt und verfroren - so könnte man sich fühlen. Doch aus einem kleinen Fenster und dem Niedergang kommt - man muss schon genau hinsehen - ein warmes und anheimelndes Licht. Es duftet nach wärmendem Kaffee, nach kenntnisreicher Schiffsführung. So jedenfalls hat es der (auf dieser Reise nicht anwesende) Autor dieses Berichtes bei der Betrachtung des Bildes auf der Art maritim empfunden. Vor allem aber zeigt das Bild die meisterliche Hand und künstlerische Kraft des Hinnerk Bodendieck, die ihm - siehe oben - inzwischen hohe Anerkennung gebracht hat.

Und kommt der geneigte Leser in das SVAOe-Clubhaus, so findet er im ersten Stock gleich links neben der Treppe einen weiteren Bodendieck: Ein Jugendkutter in voller Aktion vor der Lühe elbabwärts segelnd. Wie heißt es bei Rilke: Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen. - Einer der Ringe hat sich sicherlich hiermit geschlossen: Hinnerk der Kuttersegler - Hinnerk der Kuttermaler.

Er selbst sagt dazu: Die Zeiten als Kutter- und Jollensegler, auch wenn man heute die schönen Seiten gelegentlich etwas überbetont, waren für mich die Grundlage späterer Entwicklung. Sie erlauben mir heute, mich ganz oben auf meiner privaten Wunschliste zu sehen, nämlich als segelnden und malenden Familienvater.


ehb (SVAOe)